Der Bunker im BauNetz

BauNetz ist das größte deutschsprachige Online-Architekturmagazin. Dort wurde bereits am 15. Juli über den geplanten Umbau des Bunkers in der Neckarstadt-West in Mannheim berichtet. Das künftige Domizil des Stadtarchivs findet also schon jetzt überregionale Beachtung.

http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Mannheimer_Stadtarchiv_von_Schmucker_und_Partner_4438971.html

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Bunker-Intermezzo

Inzwischen ist unser bisherhiges Zweitdepot vom Ochsenpferchbunker in das Zwischenlager im Wohlgelegenhbunker umgezogen, damit die Bauarbeiten davon ungestört sind. Bis diese beginnen, besteht einige Woche die Möglichkeit für angemeldete Gruppen, den Bunker noch einmal im jetzigen Zustand zu besichtigen.

Eine erste Führung dieser Art war ganz besonders: sie führte am letzten Samstag, den 16. Mai, morgens um 5:30 Uhr auf das Dach des Bunkers, um dort den Sonnenaufgang zu erleben. Das Wetter spielte mit und so entstanden eindrucksvolle Bilder (wir danken Christian Roth für die freundliche Überlassung)

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Im Bunker wird auch noch einmal die Ausstellung über Bunkerbauten des 2. Weltkriegs in Mannheim gezeigt, die bei den Führungen ebenfalls besichtigt werden kann.

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Mannheim 1943: Leben mit dem Bunker

20.05.1943: Brief von Rosl Locherer an ihren Mann August

   Wie fühlt sich eigentlich richtiger Hunger an? Um in Kriegszeiten die knappen Nahrungsmittel gerecht zu verteilen, wurde auf einer Lebensmittelkarte, die aus vielen Einzelmärkchen bestand die mengenmäßige Zuteilung an Mehl, Fett oder Zucker pro Person geregelt. Mehr als darauf angegeben gab es nicht. Rosl schreibt sehr detailliert über die Änderung der bisherigen Rationen. Sie erhofft sich etwas Ablenkung von ihren Sorgen von einem Unterhaltungsabend in der Harmonie-Gesellschaft. Die Gefahr des Fliegeralarms lässt sich nicht aus ihrem Kopf verdrängen.

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Mein lieber August,

…und jetzt warte ich schon wieder auf die nächsten Briefe.     Heute habe ich schon wieder Luftschutz und dann nochmal am Montag. Ich bin froh, wenn ich es wieder hinter mir habe.…Für die nächste Kartenperiode sind die Rationen geändert. In der Woche gibt es 100gr. Fleisch weniger, dafür bekommen wir im Monat 50 gr. Fett, und eine Sonderzuteilung an Käse. Im Laufe des Sommer bekommen  wir eine Sonderzuteilung an Nährmittel und 1 kg Zucker: …Damit ich etwas Ablenkung habe gehe ich morgen mit Else und Elfriede in einen Unterhaltungsabend in die Harmonie. Gisela Schlüter, Du kannst dich vielleicht noch an Frau Schnack vom Rundfunk erinnern, gibt hier ein Gastspiel. Hoffentlich hilft mirs ein wenig über meine Gedanken hinweg….Diese Woche hatten wir einmal Fliegeralarm, aber Flieger waren keine hier, und man schnauft ordentlich auf, wenn es vorbei geht. Wenn nur einmal diese Gefahr vorbei wäre….

Deine Rosl

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Alltag 1943 in Mannheim – Leben mit dem Bunker

4.04.1943 Programm der Alice-Kaserne zum Tag der Wehrmacht in Mainz

Heute mal ein Blick über den Tellerrand – sprich über die Grenzen Mannheims hinaus. Wir finden nämlich zwischen den Briefen von Rosl an ihren August auch dieses Flugblatt, das zum Besuch der Schützen-Einheit in die Mainzer Alice-Kaserne einlädt. Zum Tag der Wehrmacht im April 1943 lockte das vielfältige Programm, dem wir aufschlussreiche Infos entnehmen können, offenbar auch Rosl Locherer zu einem Ausflug nach Mainz. Zur Grundausstattung der Zivilbevölkerung gehörte in jenen Tagen die Volksgasmaske, deren Einsatz man aus Anlass des Wehrmachttags natürlich üben konnte. Buntes Allerlei zur Unterhaltung wie Kutschrundfahrten oder Theatervorführungen wurde gemischt mit später vielleicht Lebensnotwendigem wie Luftschutzvorführungen und Übungen mit der Gasmaske. Tja, damals ließen sich offenbar viele Besucher von fern und nah dieses Vergnügen mit sehr ernstem Hintergrund nicht entgehen. Ein Blick in die Neue Mannheimer Zeitung vom 5.04.1943 beweist uns, dass auch in Mannheim der Sammeltag der Wehrmacht ein riesiger Erfolg war.

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Vorder- und Rückseite des Programms zum Tag der Wehrmacht in der Mainzer Alice-Kaserne, 4.4.1943

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Neue Mannheimer Zeitung vom 5.April 1943. Auch die Angebote in Mannheim lockten zahlreiche Besucher an.

Alltag 1943 in Mannheim: Leben mit dem Bunker

8.02.1943: Brief von Rosl Locherer an ihren Mann August

August Locherer wurde Anfang Februar 1943 zur Wehrmacht eingezogen. Gut vorstellbar, wie schwer es seiner Rosl nach dem Abschied von ihrem Mann gefallen ist, sich wieder in ihre Arbeit bei der Firma Bopp & Reuther einzufinden. Abends besucht sie mit ihrer Freundin im Kino den Film “Fronttheater“ in den Olymp-Lichtspielen in Käfertal. Aufmuntern kann sie der Spielfilm mit Heinz Rühmann jedenfalls nicht.

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…„Heute war ich wieder im Geschäft, es ist mir zwar schwer gefallen, aber ich habe mich bald wieder an die Arbeit gewöhnt. Rottler meint, ob man acht Tage braucht, zum Abschied nehmen. Er kann froh sein, dass ich nicht länger zu Hause geblieben bin….Else und ich waren heute Abend im Kino. „Fronttheater“ haben wir uns angesehen. Es war nicht besonders und ich ärgere mich, dass ich die Zeit wieder verbummelt habe.    Sonst geht es mir gut, dasselbe hoffe ich auch von Dir…..Deine Rosl

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Die Olymp-Lichtspiele in der Mannheimer Str.38 gibt’s heute nicht mehr. Hat jemand bessere Fotos?

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Anzeige im Hakenkreuzbanner vom 7.02.1943. Vielleicht hat Rosl die gelesen.

Alltag in Mannheim 1943: Leben mit dem Bunker

Wie sah eigentlich in Kriegszeiten das Leben der Menschen in Mannheim aus, das mit der Zunahme der Bombenangriffe allmählich aus den Fugen geriet? Wenn ihr Lust habt, könnt ihr mit uns in nächster Zeit in unserem Blog dieser Frage nachgehen. Nach langer Suche sind wir in privaten Unterlagen fündig geworden. Wir wollen euch Auszüge aus Briefen an den späteren Kommunalpolitiker August Locherer vorstellen, die er nach seiner Einberufung zum Kriegsdienst von seiner auf dem Waldhof wohnenden Frau Rosl erhalten hat – natürlich ohne dabei stalken zu wollen. Begleitet uns einfach auf unserem Streifzug durch das Leben dieser jungen Frau im Jahr 1943. Ein Glücksfall wäre es natürlich, wenn ihr euch an die Existenz von Neckarstädter Briefe erinnert, die schildern, wie damals „unser“ Ochsenpferch-Bunker Zufluchtsort war.

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Diese Briefe verraten uns, wie in Kriegszeiten der Alltag in Mannheim aussah.

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Viele Geschäfte boten ihre Waren nach der Zerstörung ihrer Läden auf der Straße an, hier in Q2.

Lichtmeile Neckarstadt-West: Öffnung des Ochsenpferchbunkers am Samstag 15.11.2014

Eine der Stationen des beliebten Kulturfestivals Lichtmeile in der Neckarstadt-West war der Bunker. Wie schon in den vergangenen Jahren, als wir den Bunker in der Langen Nacht der Museen öffneten, kamen viele Besucherinnen und Besucher, um den imposanten Betonkoloss auch mal von innen zu sehen.
Großes Interesse fanden die beiden Ausstellungen im 3. Obergeschoss. Eine dieser Ausstellungen dokumentiert die Bunkerbauten und Kriegszerstörungen in Mannheim. Historische Fotos und Pläne zeigen viele der im 2. Weltkrieg errichteten Luftschutzbauten, weitere Fotos lassen das erschreckende Ausmaß der Kriegszerstörungen in Mannheim erkennen. Die zweite Ausstellung stammt von der Künstlerin Uscha Rudek-Werlé, die aus verschiedenen Objekten eine eindrucksvolle Installation zum Thema Holocaust geschaffen hat. Die Ausstellung trägt den Titel Erblast D. Über beide Ausstellungen werden wir in unserem Bunker-Blog noch ausführlicher berichten. Hier zunächst nur einige Bilder vom Samstagabend.
Viele Besucher sahen den Bunker zum ersten Mal von innen. Ein älterer Herr allerdings berichtete uns, dass er in der Nachkriegszeit im Bunker gewohnt hatte. Damals diente der Bunker ja vielen Menschen, die nach dem Krieg kein Dach mehr über dem Kopf hatten, als Notquartier. Wir werden darüber noch berichten.

Für Sonntagabend war im Bunker eine Lesung der bekannten Mannheimer Schriftstellerin Nora Noé angekündigt. Frau Noé wollte aus ihren Jungbusch-Romanen lesen und Passagen vorstellen, die in der Neckarstadt spielen. Leider musste die Lesung aber abgesagt werden, weil die Autorin krank geworden ist. Das war sehr bedauerlich, aber vielleicht ergibt sich ein anderes Mal die Gelegenheit. Frau Noé, wir wünschen gute Besserung.

Die Lichtmeile fand dieses Jahr übrigens zum 10. Mal statt, unter bewährter Leitung des Quartiermanagements Neckarstadt-West, das wieder ein vielfältiges und spannendes Programm zusammengestellt hat. Wir gratulieren zum Jubiläum und freuen uns, dass wir mit dabei waren. (Sk)

Impressionen von der Öffnung des Bunkers am 15.11.2014

Impressionen von der Öffnung des Bunkers am 15.11.2014

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